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Hunde können emotionale Gesichtsausdrücke von Menschen unterscheiden

Das Ziel der Studie war es zu untersuchen, ob Hunde Gesichtsausdrücke von Menschen, speziell glückliche und wütende Mienen, auf Basis der gezeigten Emotion unterscheiden. Zu diesem Zweck haben wir die Hunde zuerst lernen lassen, Bilder mit glücklichen und wütenden Mienen von 15 verschiedenen Menschen zu unterscheiden. In dieser Lernphase wurde den Hunden entweder nur die untere Hälfte der Gesichter gezeigt (also die Mundregion aber nicht die Augenregion) oder nur die obere Hälfte (die Augenregion aber nicht die Mundregion). Den Hunden, die ein striktes (und hohes) Lernkriterium erreichten, haben wir anschließend in der Testphase auch Bilder der anderen Gesichtshälfte gezeigt, sowie die obere und untere Hälfte von komplett neuen Gesichter, die sie zuvor noch nie gesehen hatten, die aber auch glückliche und wütende Mienen zeigten. Da diese Hunde in der Testphase auf Anhieb sehr gut abgeschnitten haben, können wir mit hoher Sicherheit schließen, dass sie die Bilder auf Basis des darin gezeigten emotionalen Ausdrucks unterschieden haben. Dieser war nämlich das einzige Merkmal, welches die Bilder in der Lernphase und die Bilder in der Testphase gemeinsam hatten. Die Hunde scheinen also wirklich zu erkennen, dass ein lachender Mund dasselbe bedeutet wie lachende Augen (und dasselbe für einen wütenden Gesichtsausdruck). Das Abschneiden der Hunde in unserem Test ist umso eindrücklicher wenn man bedenkt, dass wir ihnen Bilder von komplett unbekannten Personen gezeigt haben.

Einige von Euch werden nun vielleicht denken, das hab ich eh gewusst, dass mein Hund meinen Gesichtsausdruck erkennen kann, wofür braucht es da diese Forschung? In diesem Fall hat sich tatsächlich bestätigt, dass die menschliche Intuition der Wahrheit zumindest sehr nahe kommt. Dies ist jedoch oft nicht der Fall, unsere Intuition leitet uns des Öfteren fehl. Zum Beispiel sagt uns unsere Intuition, dass die Erde flach ist und die Sonne die Erde umkreist. Oder um ein Beispiel aus dem Hundeverhalten zu erwähnen: viele HundehalterInnen denken, dass ihr Hund sich schämt, wenn er etwas falsch gemacht hat (z.B. wenn er Futter vom Tisch genommen hat). Eine Studie von amerikanischen Kollegen hat aber gezeigt, dass dem nicht so ist. Die Hunde zeigen nämlich das Verhalten, das wir als schämen interpretieren, nicht etwa abhängig davon, ob sie unerlaubt Futter genommen haben, sondern abhängig davon wie sich die HalterIn bei der Rückkehr verhält. In diesem Fall hat sich die Intuition vieler HundehalterInnen also nicht bestätigt. Diese Beispiele zeigen, dass wir Wissenschaft mit gut kontrollierten Experimenten benötigen, um zu unterscheiden, welche unserer Intuitionen den Tatsachen entsprechen und welche nicht.

Wir bedanken uns an dieser Stelle nochmal herzlich bei den HundehalterInnen und Hunden für die Teilnahme an unserer Studie.

Fotocredits: Anjuli Barber/Messerli Forschungsinstitut, Clever Dog Lab/Messerli Forschungsinstitut


Visuelle Kategorisierung von natürlichen Stimuli durch Hunde

Dog working on touch-screen

Friederike Range, Ulrike Aust, Michael Steuer, Ludwig Huber

Wir haben kürzlich begonnen, eine von uns entwickelte  automatisierte Computer-Touchscreen-Prozedur zu benutzen, um Lernverhalten, soziale und physikalische Kognition von Hunden zu testen. Während eines Versuchsdurchganges müssen die Hunde mit der Nase ein Bild am Bildschirm anstupsen, das als positiv definiert ist.  Nach eine Gewöhnungsphase, in der die Tiere gelernt haben, ein Bild mit der Nase auszuwählen, werden sie auf visuelle Diskriminationsaufgaben trainiert. Zuerst müssen die Hunde lernen, ein Bild von zwei gleichzeitig präsentierten Bildern auszuwählen. Hier benutzen wir einfache Formen (Vierecke und Kreise).

In einer zweiten Aufgabe, müssen  sie lernen, genauer zu schauen und zwei Stimuli-Sets unterscheiden. Das eine Set besteht aus bunten Unterwasserbildern, das andere aus Zeichnungen. Nachdem die Hunde diese beiden Aufgaben erfolgreich gemeistert haben, müssen sie in einem weiteren Versuch Hundebilder von Landschaftsbildern unterscheiden lernen. In einer Trainingsphase haben die Hunde gelernt, 40 Hundebilder von 40 Landschaftsbildern zu unterscheiden.

Nachdem sie in 80 % der Fälle korrekt gewählt hatten, haben die Hunde 4 Testsessionen mit 40 völlig neuen Hunde und Landschaftsbildern bekommen. Alle Hunde haben ihr Wissen erfolgreich auf die neuen Bilder übertragen. Wir schließen daraus, dass die Computer-Touchscreen-Prozedur bei Hunden geeignet ist, aber auch  vor allem für genaue Vergleiche zwischen der Kognition verschiedener Tierarten genutzt werden kann.

Bayer, K., Range, F., Aust, U., Steurer, M., & Huber, L. (2009) The touch-screen method as an implement for dog experiments. Journal of Veterinary Behavior: Clinical Applications and Research 4 (2) 51.

Range, F., Aust, U., Steurer, M. & Huber, L. (2008) Visual categorization of natural stimuli in domestic dogs. Animal Cognition, 11:339-347.

 


Lernen nach dem Ausschlussprinzip

Ulrike Aust, Friederike Range, Michael Steuer, Ludwig Huber

Lernen nach dem Ausschlussprinzip bedeutet, dass man durch logisches Ausschließen einer möglichen Option eine korrekte Alternative wählt. Beim Menschen ist die Fähigkeit, nach dem Ausschlussprinzip zu lernen, gut entwickelt (z. B. beim Erlernen neuer Wörter beim Spracherwerb). Mehrere Studien haben gezeigt, dass auch einige Tierarten nach dem Ausschlussprinzip lernen können, wogegen andere dazu nicht in der Lage sind. Da diese Ergebnisse eventuell auf unterschiedliche Methoden der Experimente zurückzuführen sind, haben wir bei Tauben (N = 6), Hunden (N = 6), Kindern (N = 8) und Studenten (N = 6) Lernen nach dem Ausschlussprinzip mit derselben Methode untersucht. Dabei mussten alle Probanden zuerst lernen, welches von zwei gleichzeitig auf einem Monitor gezeigten Bildern von Alltagsgegenständen jeweils positiv (S+) oder negativ (S-) bewertet war. Insgesamt gab es vier positive und vier negative Bilder, die in allen möglichen Kombinationen gezeigt wurden.

Der Gegenstand (Foto) wurde von den Tauben und Hunden durch Berührung des Touchscreens (Schnabel, Schnauze) und von den Menschen durch Mausklick ausgewählt. Bei einer korrekten Wahl (S+) gab es eine Belohnung, bei einer falschen Wahl (S-) eine Auszeit und dann eine Wiederholung der jeweiligen Wahl. Nachdem die Probanden die Gegenstände zuverlässig auseinander halten konnten, wurden sie mit Tests konfrontiert, bei denen jeweils einer der vier negativ bewerteten Gegenstände mit einem von vier „neuen“ Gegenständen (S’) auf dem Monitor präsentiert wurden. Eine Taube, drei Hunde und fast alle Menschen haben jeweils den „neuen“ Gegenstand ausgewählt. Dies kann auf einer Bevorzugung des Neuen gegenüber etwas Bekanntem (Altem) beruhen, oder auf dem Vermeiden des negativen Gegenstandes, ohne dass dabei etwas über den neuen Gegenstand gelernt wird.

Diese Wahl kann aber auch durch das Anwenden des Ausschlussprinzips zustande kommen, bei dem der "neue" Gegenstand (S') nun als positiv eingeordnet wird, da die Alternative bekanntermaßen negativ ist (S-). Um zu entscheiden, welchen Lernmechanismus die Probanden angewandt hatten, wurden die Versuchsteilnehmer, die eine Präferenz für den "neuen" Gegenstand gezeigt hatten, nun mit Tests konfrontiert, bei denen die "vormals neuen" Gegenstände (S') zusammen mit "ganz neuen" Gegenständen (S'') präsentiert wurden.

Während die Taube die "ganz neuen" Gegenstände (S'') auswählte, blieben sowohl die Hunde als auch die Menschen bei ihrer Präferenz für die etwas "vormals neuen" Gegenstände (S') und zeigten daher, dass sie im ersten Test den negativ bewerteten Gegenstand (S-) logisch ausgeschlossen und den "neuen" Gegenstand (S+)  in der Folge positiv definiert hatten.

Aust, U., Range, F., Steurer, M. & Huber, L. (2008) Inferential reasoning by exclusion: A comparative study of pigeons, dogs, and humans. Animal Cognition, 11: 587-597.